Weißer Marmor strahlt wieder

Die Thüringer Allgemeine in der Ausgabe vom 29.8.2007

BESUCH BEI DER ALTEN DAME: Der Grüne Wehlverwandschaften e.V. gedachte gestern Charlotte Krackows.

BESUCH BEI DER ALTEN DAME: Der Grüne Wahlverwandschaften e.V. gedachte gestern Charlotte Krackows.

TA-Foto

Von Unkenntlichkeit befreit: Charlotte Krackows Grab

90 Jahre nach der Eröffnung des Museums im Kirms-Krackow-Haus hat gestern eine Gedenkveranstaltung stattgefunden, am frisch restaurierten Grab der Charlotte Krackow auf dem Hauptfriedhof.

WEIMAR (rd).

Die hochmusikalische Charlotte Coelestine Krackow hatte sich große Verdienste um Weimar erworben. Auf Anregung von Großherzog Carl Alexander brachte sie ihre reichen Erlebnisse aus der nachklassischen Zeit zu Papier, diese Erinnerungen erschienen ab 1917 in neun Auflagen. Ihr Name ist zudem untrennbar mit der Gebäudegruppe in der Jacobstraße verbunden, denn sie hatte dieses Areal, also das Kirms-Krackow-Haus, als Drehscheibe europäischen Geistes über Jahrzehnte gehütet und bewahrt. Dichter und Denker, Künstler, Musiker, Kaiser und Könige gingen dort ein und aus. Nachdem Charlotte Krackow 1915 im Alter von 90 Jahren starb, erwarb die Stadt Weimar das Anwesen und eröffnete es 1917 als Museum. Sinnfalligerweise geschah dies am 28. August, an Goethes Geburtstag.

Genau 90 Jahre später sind nun gestern die bescheidenen Grabtafeln für Charlotte und ihren schon 1887 verstorbenen Bruder Carl auf dem neueren Teil des Hauptfriedhofs wieder eingeweiht worden. Sie waren bis zur Unkenntlichkeit verwittert, kaum jemand wusste um ihre Existenz. Die einstmals strahlend weißen Marmoroberflächen war~n schmutzig grau geworden, Namen, Daten und der Sinnspruch "Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein" (1. Mose 12.2) gänzlich unleserlich.

Der Arbeitskreis Weimarer Friedhofskultur innerhalb des Vereins Grüne Wahlverwandtschaften erwählte diese Grabanlage zu seinem ersten Spendenobjekt. Auf der Grundlage der denkmalpflegerischen Zielstellung des Restaurators Benito Sellin rettete sein Berufskollege Ilja Streit aus Weimar die feinen Tafeln und deren Unterkonstruktion.

Zum Abschluß dieser Arbeiten fand am gestrigen Nachmittag eine Gedenkveranstaltung statt. Am Grab wurden Blumen niedergelegt und Ulrike Müller-Harang von der Klassik-Stiftung würdigte Charlotte Krackows Wirken.

 

 

 

© Ilja Streit Steinrestaurierung | Stand: 13.11.2011