Kieselsäure für Louise

Die Thüringer Allgemeine in der Ausgabe vom 30.09.2006:

Das Grabmal der 1795 jung verstorbenen Louise von Koppenfels, das 2005 entdeckt wurde, wird restauriert

Viele Jahre stand es auf dem Hof der Kirche Rohrbach bei Weimar – nicht weiter beachtet, beschädigt und verwittert: das Grabmal der Louise von Koppenfels. Vor einem Jahr entdeckte es ein Radfahrer wieder, seitdem sparte man auf die Restaurierung. Die Thüringer Allgemeine begleitete den Weg des Grabmals und berichtet jetzt von der Restaurierung.

Von Frank STÖRZNER

ROHRBACH.

Restaurator Ilja Streit am Grabmal der Louise von Koppenfels

WIEDERBELEBUNG: Restaurator Ilja Streit will das Grabmal der Louise von Koppenfels schon bald fertig erneuert haben, dafür verfestigt er Hohlräume im Gestein.

TA-Foto: Autor

Mit sicherer Hand setzt der Weimarer Steinrestaurator Ilja Streit die Spritze an den zerklüfteten Stein, um mit vorsichtig aufgetragenem Kieselsäureethylester dessen Oberfläche zu stabilisieren und die nachfolgende Reinigung vorzubereiten. Diese Zukunft sichernde Behandlung kommt einer Grabplastik zugute, die viele Jahrzehnte auf dem Kirchhof von Rohrbach im Kreis Weimarer Land stand und deren Bedeutung im Laufe der Zeit fast in Vergessenheit geraten ist. Dabei führt die Statue einer Trauernden mitten hinein in das Weimar der Klassik und das unmittelbare Umfeld von Goethe. Nicht nur, dass Johann Heinrich Meyer, der Kunst-Meyer und enger Freund des Geheimrats, den Entwurf für das Grabmal lieferte. Nachdem der Hofbildhauer Martin Gottlieb Klauer es fertig gestellt hatte, besichtigte Goethe am 21. Juni 1799 das Koppenfelsische Monument in dessen Werkstatt und trug diesen Termin sogar in sein Tagebuch ein. Auch die althergebrachte örtliche Überlieferung in dem kleinen Dörfchen Rohrbach hat die enge Beziehung Goethes zu der Verstorbenen bis heute bewahrt: von einer unglücklichen Liebesbeziehung ist dabei die Rede, an der Johanna Louise Bemhardine Kobe von Koppenfels schließlich jung an gebrochenem Herzen verstorben sei.

Ein Blick ins Kirchenbuch stellt klar, dass die junge Frau am 21. Oktober 1795 in einem Alter von 19 Jahren in weniger als zehn Tagen an zurückgetretenem Schnupfen und Schlagflusse gestorben ist, also wohl an den Folgen einer verschleppten Grippe. Drei Tage später trug man den Sarg nach der Trauerfeier in der Kirche zum nahe gelegenen Schloss, wo im Park eine Gruft vorbereitet war. "Der Tod der guten Louise hat mich überrascht, denn von ihrer Jugend konnte man eher eine glückliche Wendung für ihre Gesundheit hoffen", schrieb Goethe im Dezember an die EItern, die er von Anbeginn seiner Weimarer Zeit her kannte. Der weimarische Kanzler und Geheime Regierungsrat und seine Familie bewohnten ein Haus an der Ackerwand gegen über von Goethes Garten, wohnten aber zeitweise auch in Rohrbach, wo sie 1776 ein Rittergut erworben hatten. Sie wollten ihrer dritten, jüngsten Tochter ein ganz besondere Grabmal widmen und baten Goethe um Vermittlung und Hilfe. Der ersuchte Johann Heinrich Meyer um ein paar Zeichnungen, da nur er wisse, was Klauer machen kann und was in Seeberger Stein zu machen ist. Drei Entwürfe schickte Meyer am 18. Mai 1796 an Goethe, der sie an die Familie Kobe von Koppenfels weiter reichte – nicht ohne davon vorher noch Kopien für sich anfertigen zu lassen. Mehrfach ist im Briefwechsel nun das Monument des Fräuleins von Koppenfels erwähnt, das der bekannteste Bildhauer des klassischen Weimar, Gottlieb Martin Klauer, nun anfertigte. Sehr wahrscheinlich pflegte Meyer schon zu diesem Zeitpunkt Kontakte zur Familie Kobe von Koppenfels, da er 1803 deren zweite Tochter, Louises fünf Jahre ältere Schwester Amalie, heiratete. Vermutlich noch 1799 im Garten des Gutes von Rohrbach aufgestellt, hielt die ewige Ruhe der Louise Kobe von Koppenfels gerade einmal bis 1853. Das Schloss hatte inzwischen mehrfach die Besitzer gewechselt und der kunstvolle Grabstein wurde auf den Kirchhof verbracht. 1892 wird er als umgeworfen und teilweise in der Erde steckend beschrieben – ein Zustand, der sich bis in unsere Tage nicht viel verändert hat. Das wollten Bürgermeister lngolf Otto und mit ihm weitere interessierte Bürger ändern und dem Grabmal die Ehre zukommen lassen, die ihm gebührt. Auch mit Hilfe dieser Zeitung sowie des Freundeskreises des Goethe-Nationalmuseums kamen mittlerweile so viel Spenden zusammen, dass erst einmal die aufwändige Restaurierung gesichert ist. Dabei will Ilja Streit die mittlerweile stark geschädigte Steinplastik reinigen, konservieren und in ihrer ursprünglichen Konzeption wieder aufstellen. Dabei wäre der Entwurf Meyers von entscheidender Wichtigkeit, aber der ist weder im Briefwechsel noch im Nachlass derer von Koppenfels erhalten geblieben. Nachdem nun der sichere Verfall gestoppt ist, wird die trauernde Louise künftig auch einen günstigeren Platz bekommen.

© Ilja Streit Steinrestaurierung | Stand: 13.11.2011