Vom Haus befreit
Die Thüringer Allgemeine in der Ausgabe vom 06.08.2008:
BRUNNEN-EXPERTE:"Das hält mindestens 15Jahre", ist sich Restaurator Ilja Streit sicher. Er verwendete für die Sanierung des Sandsteinbeckens ein neues Verfahren.
TA-Foto
Gänsemännchenbrunnen fertig saniert / Neue Broschüre zu Weimarer Wasserspendem
Nach mehreren Anläufen, die auf Dauer nicht erfolgreich waren, soll die Brunnenschale des beliebten Gänsemännchenbrunnens nun endlich für längere Zeit dicht sein. Der Weimarer Restaurator Ilja Streit setzte eine neue Technik ein, damit der Sandstein nicht mehr an Leckstellen leidet.
Von Susanne SEIDE
WEIMAR.
Vier Wochen mussten Weimarer und Touristen auf den Anblick des Gänsemännchenbrunnens in der Schillerstraße verzichten. Eine nur kurze Zeit – gemessen daran, dass das leidige Nässeproblem nun aus Expertensicht für mindestens 15 Jahre behoben werden konnte. Frühere Versuche, dem austretenden Nass am Brunnensockel Einhalt zu gebieten, schlugen fehl. So griff der Restaurator Ilja Streit zu einem neuen Verfahren, das auch zum Abdichten von Kläranlagen oder großen Trihkwasseranlagen verwendet wird.
Dazu musste der Brunnen komplett eingehaust werden. Denn das verwendete Material verlangt z. B., dass sieben Tage lang kein Regen daran gelangt. Die Arbeiten an sich durften überdies wegen der Reaktionen des Materials auf die verschiedenen Temperaturen nur bei Wärme stattfinden, erläuterte Ilja Streit. So manch ein Passant konnte das nicht einsehen und schimpfte über die wenig ansehnliche "Brunnenverpackung", fügte Christine Tauro vom Weimarer Denkmalamt hinzu und warb so nachträglich für Verständnis. Zumal die Arbeiten länger dauerten als geplant, weil in ihrem Zuge noch weitere Fehlstellen am Brunnen offensichtlich wurden. Letztlich aber hat all dies dazu gedient, den Verfall des Brunnens zu verhindern, der 1863 aufgestellt wurde. Bereits im Jahr darauf erhielt er ein größeres Becken, ehe 1987 ein Ersatz für die Bronzefigur des seinerzeit bereits 120 Jahre alten Gänsemanns auf die Spitze der Brunnens gesetzt wurde.
Die Sanierung des Gänsemännchenbrunnens ist wohl die letzte größere Maßnahme dieser Art in Weimar, die in diesem Jahr ausgeführt werden konnte. Zuvor hatte Streit auch dem Neptunbrunnen zu alter Schönheit verholfen und der oberen Schale des Löwenbrunnens. Auf der Warteliste stehen nun noch der Süßenborner Brunnen, der Froschbrunnen oder der untere Teil des Löwenbrunnens am Graben.
Zur Übergabe stellte Christine Tauro den überarbeiteten Brunnenflyer aus der Reihe "Stadtsanierung Weimar" vor. Die Nummer 31 beschreibt gemeinsam mit der DSK erstellt – alle 19 historischen Brunnen erstmals in der Chronologie ihrer Entstehung. Ebenso aufgenommen wurde in die Neufassung mit dem Wasserspiel an der Freiligrathstraße Weimars jüngster Wasserspender. Vermerkt ist in der Broschüre u. a. auch der 2007 erfolgte Abguss des Donndorfbrunnens für die Stadt Stuttgart. Dort wurde der so wieder komplettierte Paulinenbrunnen am 4. Mai feierlich eingeweiht.
