"Kunstwandertag" mit mehr als 30 Stationen
Die TLZ in der Ausgabe vom 24.9.2007:
Schmuckdesignerin Nane Adam eröffnete erst am Samstag ihr Atelier.
Foto: tlz/Göbel
67 Künstler luden zum Tag des offenen Ateliers ein
Weimar. (tlz/Gö) Ilja Streit hütete in den vergangenen drei Monaten in seiner Werkstatt einen millionenschweren Schatz: Die Stiftung Weimarer Klassik hatte den Restaurator, der sich zum ersten Mal am Tag der offenen Ateliers beteiligte, mit der Sanierung von 20 Skulpturen aus der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek betraut. Am Sonnabend konnten Besucher mit "Kaunos und Byblis“ von Martin Gottlieb Klauer die letzte ,Figurengruppe bewundern, die Ilja Streit in seine Obhut genommen hatte, und sich vom Fachmann erklären lassen, wie er Skulpturen reinigt und ergänzt.
Der Steinrestaurator, der sich neben Skulpturen auch Epitaphien widmet, zeigte in seiner Werkstatt außerdem einen Wappenstein, der erst in jüngster Zeit wieder zu einem Ganzen gefügt worden war: Ein Teil lagerte lange Zeit unerkannt im Volkskundemuseum Erfurt, der andere im Angermuseum. Das "Fundstück" soll künftig die Fassade des Volkskundemuseums schmücken.
Ohne Unterlass Besucher hatten indes auch die beiden Künstler, mit denen sich Ilja Streit die frühere Trabant-Werkstatt im "Rosenhof" an der Rosenthalstraße teilt: seine Frau Nane Adam, die erst am Sonnabend ihr Atelier für Schmuckdesign eröffnet hatte, und Vater Walter Sachs. Der Weimarpreisträger zeigte eine Vielzahl von Skulpturen u.a. aus hessischem Diabas, Südtiroler Marmor und Ehringsdorfer Travertin, den nicht einmal Experte Professor Walther Steiner als solchen identifizierte. Die jüngsten Arbeiten waren ebenfalls aus weißem Marmor anlässlich einer Elisabeth-Ausstellung in Creuzburg entstanden. Immer wieder wurde Walter Sachs aber auch zu den Skulpturen befragt, die er für den öffentlichen Raum anfertigt und die in Weimar am Frauenplan und in der Freiliggrathstraße zu finden. sind. Nane Adam ließ sich unterdessen bei der Arbeit an Trauringen über die Schulter schauen, bei der sie sich insbesondere auf die japanische Mokume-Gane-Technik und das dafür charakteristische holzgemaserte Metall verlegt hat.
Zum elften Tag des offenen Ateliers hatten in Weimar 67 Künstler ins Atelierhaus und 32 weiteren Stationen eingeladen - so viele wie noch nie. Von dem Zuspruch waren die Gastgeber, von denen vor Jahren viele noch skeptisch reagiert hatten, sehr angetan: Das Publikum war interessiert, knüpfte Kontakte, mitunter kaufte es auch, beispielsweise·den Grafikkalender mit zwölf Arbeiten Weimarer Künstler für 300 Euro. Längst begnügen sich Interessierte an dem "Kunstwandertag" nicht mehr mit einer Station, sondern flanieren von einem Kunstort zum nächsten. Nicht zuletzt deshalb soll es beim Ateliertag im Spätsommer bleiben.
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